Koelnerabend.de: Vorgestern (Anmerkung: 18.10.2012) habt Ihr in Berlin gespielt. Wie war es denn? 

Brings: Genau. 15 Jahre „Ständige Vertretung“. Das sind mittlerweile mehrere Kneipen. Gibt’s ja auch bei uns im Rheinland. Da haben wir gespielt. Es waren viele Rheinländer und Politiker da. Es war jetzt nicht unser Traumjob. Aber es war ein korrekter Job.

Koelnerabend.de: Und die Stimmung war trotz der vielen Politiker einigermaßen gut?

 

Brings: Die Stimmung war gut. Viele Politiker kommen ja aus dem Rheinland.

 

Koelnerabend.de: War die Veranstaltung denn ausverkauft?

 

Brings: Weiß ich jetzt gar nicht. Das waren so 600-700 geladene Gäste. Es wurden also gar keine Karten verkauft. Gestern (Anmerkung: 19.10.2012) haben wir in Stommeln gespielt. In einem ganz normalen Zelt für 1.000 Leute.

 

Koelnerabend.de: Wie findet Ihr das denn jetzt hier in München? 1.000 Leute. Ich weiß jetzt nicht, ob Ihr es gesehen habt. Vor 19 Uhr war draußen schon die Hölle los.

 

Brings: Das ist schon super.

 

Koelnerabend.de: Ist das denn jetzt für Euch etwas Besonderes. Über 1.000 Leute außerhalb von Köln. Oder sagt Ihr „Och Gott – das haben wir überall“? In Hamburg oder sonstwo.

 

Brings: Das haben wir jetzt nicht überall. Aber da wo wir die letzten Monate gespielt haben – so ca. 50 bis 100 km außerhalb von Köln – da waren schon immer so um die 700 Leute. Manchmal sogar über 1.000 Personen. Das kommt immer darauf an. Es gibt auch Gigs, da kommst Du rein und es sind über 3.000 Leute da.

 

Koelnerabend.de: Was sind das dann für Leute? Überwiegend Exil-Rheinländer oder auch „ganz normale“ Menschen?

 

Brings: Weiß ich jetzt gar nicht. Was sind das denn heute für Leute? Überwiegend Kölner?

 

Koelnerabend.de: Ein Großteil kommt schon aus dem Rheinland. Aber es sind auch viele Münchner in der Halle. Aber kommen wir mal zu Euren Liedern. In den letzten Jahren habt Ihr als Sessionslied ja oft einen alten Schlager ausgewählt. Das ist ja eher ungewöhnlich. Wie seid Ihr denn darauf gekommen? Habt Ihr ein Faible dafür?

 

Brings: Ne. Es gibt von uns von 900 Liedern nur zwei alte Schlager.

 

Koelnerabend.de: Diese habt Ihr dann aber als Sessionslied ausgewählt.

 

Brings: Das sind eigentlich nur „Man müsste nochmal zwanzig sein“ und „Nur nicht aus Liebe weinen“ gewesen. Das letzte Sessionslied war „Dat is geil“ aus unserem aktuellen Album. Und der letzte richtige Sessionshit – der auch immer noch ein Hit ist – war „Halleluja“. Da kommt gar nix von dem anderen Zeugs ran. Wir haben angefangen die alten Lieder zu übernehmen, als wir in den Karneval reingekommen sind. Wir haben gemerkt, dass viele ältere Leute zuerst mal Berührungsängste mit uns hatten. Und damit haben wir die gekriegt. Das war deren Musik aber halt in unserer Interpretation. Das war auch ein bisschen die Überlegung.

 

Koelnerabend.de: Wo wir gerade von früher reden. Ich habe Euch damals schon in Euskirchen oder irgendwo in einer Aula vor 200 Leuten gesehen. Da kenne ich ja noch die Diskussion. Die alten Brings waren eigentlich viel besser und die neuen Brings sind Mist. Andere finden die neuen Brings besser. Hat sich die Diskussion zwischenzeitlich gelegt oder gibt’s das Thema immer noch?

 

Brings: Mit einer Band ist das wie mit allem im Leben. Wenn Du so polarisierst ist das auch nicht verkehrt. Wenn dich von 10 Leuten 5 gut finden und 5 scheiße – dann bist du genau richtig. Du wirst immer Leute finden, die sagen „Hör auf mit dem hochdeutschen Scheiß, spiel endlich mal was ordentliches. Spielt mal „Bis ans Meer“.“ Da sag ich „Die Nummer ist doch auch hochdeutsch“. Da darfst Du gar nicht darauf hören. Wir haben auch oft Lust die alten Nummern zu spielen. Wenn wir Tour-Start haben, fangen wir immer mit 3-4 alten Nummern an. Da kommen nach dem Konzert die Leute und sagen „Hört doch auf die alte Scheiße zu spielen.“ Der überwiegende Teil möchte was Neues hören. Du kannst es nicht jedem recht machen. Als wir nur die alten Sachen gespielt haben, sind wir getingelt und haben vor 300-400 Leuten gespielt. Jetzt haben wir 4-5 Mal so viele. Ich glaube schon, dass der Switch richtig war, dass wir jetzt viel mehr Leute ansprechen.

 

Koelnerabend.de: Das habt Ihr jetzt bestimmt auch schon 1.000 Mal gehört. Aber habt Ihr den Wechsel freiwillig gemacht? Das hatte doch vermutlich – was ja verständlich ist – auch finanzielle Gründe. Habt Ihr dann gesagt „Jetzt machen wir den scheiß Karneval halt wegen der Kohle“ oder habt Ihr voll dahinter gestanden? Oder ist die Begeisterung für den Karneval erst mit der Zeit gekommen?

 

Brings: Man kann gar nichts nur wegen der Kohle machen. Wenn Du in den Karneval nur wegen der Kohle gehst, schmeißen die dich dort wieder raus. Die müssen dich ja auch haben wollen. Wir haben damals „Superjeilezick“ aufgenommen und „Superjeilezick“ war ein Hit in den Sälen bevor wir dort waren. Dann sind wir eingeladen worden und haben gespielt. Und so hat sich das dann in den Jahren entwickelt. Wir haben auch gesehen was im Karneval los ist und haben uns dementsprechend auf der Bühne verhalten. Anschließend haben wir den einen oder anderen Hit hinterher geschoben. Was eigentlich noch wichtiger ist. So wie wir uns dem Karneval angepasst haben, so hat sich – als wir dazugekommen sind – auch der Karneval uns angepasst. In den 10 Jahren wo wir dabei sind, hat sich der Karneval massiv geändert. Nicht nur durch uns. Aber wir haben schon Türen aufgestoßen für Leute, die vorher mit dem Karneval nichts zu tun haben wollten.

 

Koelnerabend.de: Wie seid Ihr denn generell im Karneval aufgenommen worden, als Ihr dazu gestoßen seid?

 

Brings: Nicht immer nur positiv. Die alteingesessenen Bands waren nicht unbedingt begeistert. Das ist ja immer so. Wenn jemand kommt und am Kuchen nagt. Du musst überlegen: Es gibt 4 Bands in Köln. Höhner, Bläck Fööss, Paveier und wir.

 

Koelnerabend.de: Und die Räuber…

 

Brings: Die Räuber existieren in der Stadt nicht. Und auch die Paveier spielen keine großen Konzerte. Das machen nur Höhner, Bläck Fööss und wir. Du hast also jahrelang keine Konkurrenz und dann kommen wir und haben einen Hit nach dem anderen. Da waren natürlich nicht alle froh darüber.

 

Koelnerabend.de: Hat sich die Einstellung Euch gegenüber geändert?

 

Brings: Ganz ehrlich? Deren Meinung interessiert uns nicht. Was sollen wir uns mit deren Meinung befassen? Wir müssen ja als Band schauen, dass wir weiterkommen. Wir haben unser Ding gemacht. Und die Vorstellung „Ich bin eine Rockband und gehe jetzt in den Karneval, weil ich Geld verdienen will“, die muss man sich komplett abschminken. Es gibt so viele – auch hochkarätige – Stars die versucht haben in den Karneval zu kommen und es nicht geschafft haben. Es funktioniert also mit irgendeiner Nummer oder weil Du die Mentalität verstehst und Kölsch bist. Du musst das auch irgendwie sein. Sonst funktioniert das nicht.

 

Koelnerabend.de: Die Höhner sind 2005 gemeinsam mit Funkenmariechen vom Kölner Abend im Wiesnzelt aufgetreten und haben „Viva Colonia“ gesungen. Dieses Jahr ist dann ja auch noch Campino im Zelt aufgetreten. Könntet Ihr Euch so etwas auch vorstellen?

 

Brings: Klar. Warum nicht?

 

Koelnerabend.de: Was habt Ihr denn insgesamt für Ambitionen? Gerade in Köln werdet Ihr ja praktisch – insbesondere von den Frauen – angebetet. Wollt Ihr jetzt auch bundesweit angreifen? Das will ja vermutlich jeder.

 

Brings: Wollen wir mal eines klarstellen. „Superjeilezick“ kennt man von der Waterkant bis in den Süden. Das ist ja bundesweit. Schon seit 10 Jahren! Wir sind eine Band mit kölschem Dialekt. Das jetzt ein Hamburger Probleme hat unsere Lieder zu verstehen, das liegt in der Natur der Sache. Die Deutschen sind es ja eh gewohnt Musik zu hören, die sie nicht verstehen. Englisch, Französisch oder so. Natürlich will irgendwie jeder auch anderswo Erfolg haben. Aber das ist nicht unser primäres Ziel. Wir wollen bei uns zu Hause Erfolg. Und wenn das zu Hause groß wird, dann geht das auch anderswo. Auf Skihütten, auf Mallorca und so. Also nicht durch Radio und Fernsehen, sondern durch die Partyschiene. Und so ist es bisher jedes Jahr mehr geworden. Du kannst eigentlich nichts anderes machen, als immer weiterspielen. Irgendwann hast Du dann nochmals eine Nummer wie „Superjeilezick“ oder auch nicht.

 

Koelnerabend.de: Ist „Superjeilezick“ jetzt eigentlich ein Original oder ein Cover? Da gibt es ja verschiedene Meinungen.

 

Brings: Es gibt immer wieder Leute, die behaupten das wäre ein Cover von „Those were the days“. Das ist es aber nicht. Das Lied ist von mir (Anmerkung: Peter Brings). Klingt ähnlich – ist aber nicht das gleiche. Es gibt ja z.B. auch ganz klare Statuten. Wenn mehr als zwei Takte identisch sind, ist es gecovert. Das ist bei diesem Lied nicht der Fall.

 

Koelnerabend.de: Habt Ihr denn auch schon ein neues Sessionslied?

 

Brings: Ja, das spielen wir dann auch gleich beim Konzert.

 

Koelnerabend.de: Und wie heißt der Song?

 

Brings: „Die Nacht ist nicht zum Schlafen da“.

 

Koelnerabend.de: Letztes Jahr habt Ihr das Album „Dat ist geil“ veröffentlicht. Kommt dieses Jahr wieder ein neues Album oder müssen wir noch warten?

 

Brings: Wir machen seit über 10 Jahren Weihnachtsshows. Fast unplugged. Und die haben wir von Anfang an aufgenommen. Daraus machen wir gerade ein Album, auch mit vielen alten Liedern aus unserem ersten Leben.

 

Koelnerabend.de: 2011 hattet Ihr ja Euer Jubiläum. Da sind wir aus München mit einem vollbesetzten Doppeldeckerbus angereist. Wir haben ja schon viel erlebt, aber das Wetter war so was von schlecht – das war schon der Wahnsinn. Ihr habt ja später gesagt, dass das Konzert trotzdem toll war. Aber ehrlich, an dem Tag müsst Ihr doch einen Vogel bekommen haben? Da freut Ihr Euch monatelang auf das Konzert und dann schüttet es wie aus Eimern.

 

Brings: Klar – in dem Augenblick war das nicht so toll. Dann hast du auch zuerst mal Schiss, ob die Leute Dir die Stange halten oder früher nach Hause gehen. Und das war der eigentliche Kick an dem Ganzen. Das war denen scheißegal. Im Gegenteil, das war richtig Rock ´n´ Roll. Alle waren nass, alle waren zufrieden. Wir haben den Leuten für kleine Kohle einen geilen Tag geboten. Wir haben bewiesen, dass man nicht 170 Euro für ein Konzert verlangen muss, wenn man den Hals nicht vollbekommt. Für uns war es ein super Geburtstag und ein unvergessliches Erlebnis. Für viele Leute auch unvergesslich – halt auch wegen dem Regen. Und so voll war das Stadion noch nie. Alle Karten weg und auch die VIP-Plätze komplett ausverkauft. Das hat es bisher nicht mal beim FC gegeben.

 

Koelnerabend.de: Habt Ihr die VIP-Karten denn auch günstiger angeboten?

 

Brings: Wir haben wie Robin Hood gehandelt. Von den Reichen nehmen und den Armen geben. Wobei – so war es ja auch nicht ganz. Das VIP-Ticket hat mit Essen, Trinken und Aftershow-Party 140 Euro gekostet. Dafür bekommst Du ansonsten gerade mal ein Innenraumticket.

 

Koelnerabend.de: Hätten wir das mal vorher gewusst. Die 140 Euro hätten wir locker wieder rein getrunken, das hätte sich für uns ja gerechnet.

 

Brings: Die hättet Ihr locker wieder rein getrunken. Und vor allem: Ihr hättet nirgendwo hingehen müssen. Die standen um Euch herum und Ihr hättet nur trinken müssen. Das war Vollbedienung. Auch mit dem Essen.

 

Koelnerabend.de: Mal was politisches. Demnächst findet ja wieder „Arsch Huh“ statt. Da seid Ihr auch dabei?

 

Brings: Da machen wir mit. Wir waren auch schon 1992 beim ersten Mal dabei. Das war ganz am Anfang von Brings. Da ist die Band zum ersten Mal so richtig wahrgenommen worden. In der Woche danach haben wir 20.000 Platten verkauft. Dieses Mal geht’s ja gegen soziale Ungerechtigkeit in der Stadt. Da fühlen sich bestimmt viele Kölner angesprochen.

 

Koelnerabend.de: Damals wurde ja von allen beteiligten Künstlern ein gemeinsames Lied gesungen. Ist so ein Lied auch in diesem Jahr geplant?

 

Brings: Ja, wir haben den „Stammbaum“ von den Bläck Fööss nochmals aufgenommen.

 

Koelnerabend.de: Wenn wir daran denken haben wir ja jetzt schon „Pipi in den Augen“. Wann findet Arsch Huh denn statt?

 

Brings: Am 09.11.2012, zum Gedenken an die Reichskristallnacht.

 

Koelnerabend.de: Dann wollen wir Euch auch nicht länger aufhalten. Draußen warten schließlich 1.000 Leute auf Euch. Vielen Dank für das sehr nette Interview und weiterhin viel Erfolg. Und jetzt lasst es krachen….